Kategorie: ueber den Poet Hussein Habasch

Ein Leben für kurdische Sprache und deren Kulturgut (Gesichter des Stadtteils)

Simone Geerdsen

Hussein Habasch wurde 1948 in einem kleinen kurdischen Dorf in Syrien geboren und arbeitete nach seinem Lehramtsstudium als Grundschullehrer in Aleppo. Schon in dieser Zeit fing er an Gedichte in kurdischer Sprache zu verfassen, wohl wissend, dass dies in Syrien verboten war. 1972 durfte er aus politischen Gründen nicht mehr als Lehrer tätig sein und wurde von seiner Arbeit suspendiert.

Noch im selben Jahr verließ er seine Heimat und ging nach Moskau, wo er kurdische Freunde hatte. Nachdem er die russische Sprache erlernt hatte studiert er Journalistik an der Moskauer Universität Lomonosov und promovierte dort als Doktor der Philosophie in der Philologie. In dieser Zeit lernte er seine zukünftige Ehefrau Gelas kennen, welche Allgemeine Medizin an dem Medizinischen Institut in Leningrad studierte. Sie heirateten und ihre beiden Kinder wurden in Moskau geboren.

1983 ging Hussein Habasch für 6 Monate nach Algerien, um dort an der Universität zu arbeiten, um im Anschluss daran, Anfang 1984, auf Einladung des kurdischen Instituts, nach Bonn zu kommen. Seine Familie folgte ihm aus Moskau kommend. Sie mussten Asyl beantragen, welches zügig bewilligt wurde und lebten die ersten eineinhalb Jahre in Bergheim.

1985 kamen sie nach Tannenbusch, wo sie seit 2001 in ihrem eigenen Haus wohnen. Ihre Kinder gingen hier in den Kindergarten, zur Grundschule und später ins Gymnasium, lernten im Gustav-Heinemann Haus schwimmen, spielen aktiv Volleyball sowie Fußball und fühlten sich in diesem Stadtteil immer sehr wohl. Er sagt: „Wir haben nie Probleme im Tannenbusch gehabt und ich wohne in diesem Stadtteil. Es ist schön, so viele Nationalitäten um sich herum zu haben, denn sie sind Blumen im Garten der Menschheit!“

Sein Lebensmotto heißt: „Suche immer die positive Seite in einem Menschen, egal welcher Religion er angehören mag, welche Hautfarbe er hat und woher er kommen mag.“ Mit dieser Einstellung und seiner ruhig, offenen Art hat er viele interessante Menschen in seinem Leben kennengelernt, unter anderem Herrn Dr. Sebastian Heine, welcher 72 Sprachen beherrscht, und mit dem er zusammen zurzeit ein etymologisches, kurdisches Wörterbuch erstellt, was in dieser Form einzigartig ist.

Hussein Habasch hat mittlerweile 16 Bücher veröffentlicht, übersetzt aus den arabischen, russischen, englischen und deutschen ins kurdische, schrieb Artikel z.B. für den WDR, unterrichtet Kurdisch als Muttersprache in Bonn, hält Vorträge und Lesungen in Deutschland sowie im Ausland, agierte als Dolmetscher und versteht sich als Bewahrer des kurdischen Kulturgutes, auf eine ruhige und einfühlsame Art und Weise, die einen sehr berührt.

Fantazî

Zingîniya aramiyê
li havîneke bonneyî
şevên gundanî kurdistanî
tînin bîra min vê şevê

Li wan şevan
dema em li ser xaniyan radiketin
ez diketim zêrevaniya tevgera
heyhîre stêran li esmanê fereh
her wenqwenqa rovî û nêwîna segan
ez pê dihesandim ku hîn
di nav nivînê de û liser erdê me

Tu fantaziyê hevalê!
Çiqas lezgînî tu mera digerînî
li erdûesmên derya oqyanan
li her derê
tu mera dibî ba xizm
dost û yaran
ne dirav ne vîza dixwazî
û ne sînoran dizanî
eger tu jî qedexebayî
emê çiqas hejar bana

19.5.1999

Phantasie
Das Sausen der Stille
in einer Sommernacht in Bonn
erinnert mich an die Nächte
in meinem kurdistanischen Dorf:

In jenen Nächten,
wenn auf dem Dach zu Bett gingen,
beobachtete ich die begeisterte Bewegung
der Sterne am Himmel.
Nur die Stimmen der Füchse
und das Unglück verheißende Jaulen der Hunde
gaben mir das Gefühl, dass ich noch
im Bett und auf der Erde war.

Du, Phantasie, meine Freundin –
wie rasch trägst du den Menschen
über die Erde zum Himmel,
über die Meere, über die Ozeane,
überall hin …
Du bringst ihn zu seinen fernen Verwandten,
zu Geliebten und Freunden,
verlangst kein Geld und kein Visum
und kennst keine Grenzen.
Wenn auch du verboten würdest –
wie arm wären wir.

19.05.1999

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Mit dem Lyriker Hussein Habasch

“Literatur ohne Grenzen“ *

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Julie Schwannecke
Kann denn ein Deutscher ein Gedicht verstehen, das jemand in Syrien verfasst hat ohne die Kultur des Dichters zu kennen? „Aber natürlich“, meint der kurdische Schriftsteller Hussein Habasch, der schon seit mehreren Jahren in Bonn mit dem Free Pen Verlag zusammenarbeitet. „Die Gedichte sind doch für alle geschrieben: es geht darin ja meistens um menschliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Gefühle wie Angst, Liebe und Hoffnung, die ja jeder kennt, egal woher man kommt!“

Die Lebendigkeit von Sprache und Kultur erhalten

Seit 1984 lebt der kurdischstämmige Autor Hussein Habasch aus Syrien in Bonn, wo er Gedichte auf Kurdisch und seltener auf Arabisch schreibt und aus sieben Sprachen ins Kurdische übersetzt. Sein letzter Gedichtband “Schreiben auf dem Gesicht der Zeit / Nivîs liser rûyê demê“ ist 2013 beim Free Pen Verlag auf Deutsch und Kurdisch erschienen.

Sein erstes Gedicht schrieb Habasch im Alter von 14 Jahren. 40 Jahre später kann er sich noch gut daran erinnern, wie er damals in seiner Schule in der Stadt Afrin, in Syrien vor der Klasse stand und sein ironisches Gedicht über einen Lehrer auf Kurdisch und Arabisch vortrug. Das Gedicht kam bei den Mitschülern gut an und sie ermutigten ihn weiterzumachen, und so machte er weiter. Von da an präsentierte er ihnen regelmäßig seine neuesten Gedichte.

Zunächst schrieb Habasch auf Arabisch und Kurdisch, obwohl Kurdisch in Syrien verboten war, deshalb war es nicht einfach auf Kurdisch zu schreiben; es gab keinen Unterricht auf Kurdisch und kaum kurdische Bücher, Kurdisch wurde damals nur in der Familie oder unter Freunden gesprochen. Doch irgendwann entschied er: „Ich bin doch Kurde, also muss ich auch auf Kurdisch schreiben“. Schließlich sollten seine Familie und Bekannte verstehen, was er schrieb. Vielleicht schreibt er gerade deshalb heute noch am liebsten in seiner Muttersprache.

Wie er überhaupt Schriftsteller wurde? Es war die Liebe zu seinem Heimatland, die ihn zum Schreiben brachte: „Wenn man in einem Land wie Kurdistan, wo Poesie die Natur einen täglich umgibt lebt und aufwächst, bekommt man irgendwann das Bedürfnis, die eigenen Gefühle entweder durch Musik, Schreiben oder in einer anderen künstlerischen Form zum Ausdruck zu bringen“, schwärmt er. „Ich selbst habe mit dem Wort begonnen“.

“In der Literatur gibt es keine Nationalitäten“

Seit etwa drei Jahren übersetzt der Autor avestische und parthische Lyrik ins Kurdische. Es handelt sich dabei um bereits ausgestorbene Sprachen, die mit den heutigen kurdischen Sprachen verwandt sind. Es bereite ihm eine große Freude, mit schönen und lyrischen Sprachen wie diesen zu arbeiten und dazu beitragen zu können, dass eine Sprache und Kultur lebendig blieben.

Welche Bedeutung habe die Literatur heutzutage für die Menschen und für den Kulturdialog? Ein Leben ohne Bücher ist für Habasch nicht vorstellbar. Was wäre die Menschheit ohne die literarischen Werke wie von Cervantes oder Dante? Ihr Werk habe die Menschen über Generationen begleitet und inspiriert, denn sie hätten es geschafft, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und zu zeigen.
Ob denn die Literatur eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen sein kann? „Und wie!“, meint der Autor, „ich glaube in der Literatur und Kunst gibt es keine Nationalitäten“.
Bücher seien schließlich nicht nur für eine bestimmte Nation sondern für alle Menschen geschrieben. Denn jeder könne sich durch eine Musik oder einen Text angesprochen fühlen.
Die Zugehörigkeit zur Menschheit sei das höchste Ziel der Literatur und Kunst, die über alle nationalen Grenzen hinausgehe. Und es sei die Aufgabe des Schriftstellers, die Zeit in der er oder sie lebt zu spüren und das Gespürte ehrlich an seine Mitmenschen weiterzugeben.

Endlich kam der Dichter

Dorotehe Reinecke

Wir, der Deutsch – LK der Jahrgangsstufe 13 des Sankt Adelheid Gymnasiums in Pützchen, hatten uns überlegt, unsere nächste Unterrichtseinheit mit Texten von einem ausländischen Gegenwartsautor zu gestalten. Dass wir dabei auf den kurdischen Dichter und Journalisten Hussein Habasch stieße, hatten wir wohl in erster Linie unserer Kurslehrerin, Frau Graff, zu verdanken, die bei den Lesungen des Gegenwartsautors in Bonn war und ihn dort kennen gelernt hatte. Nachdem wir im Unterricht schon drei seiner Gedichte: „Das Weinen der Küsse“, „Ich sah sie“ und „Halt still“ gelesen und analysiert hatten, wurden zwei weitere Gedichte von Hussein Habasch auch zum Klausurthema.

Schon während der Unterrichtseinheit kündigte uns Frau Graff an, dass wir die Gelegenheit hätten Herrn Habasch kennenzulernen. Er sei bereit uns zu besuchen, würde uns sozusagen im Rahmen einer Dichterlesung im kleinsten Kreis seine Gedichte in seiner Muttersprache Kurdisch und auf Arabisch vortragen. Unsere Neugier war geweckt: Wie würden Gedichte wohl in Sprachen klingen, die uns bislang sehr fremd waren? Auf Besuch, auf einen Gast bereitet man sich vor: Ein wenig kannten wir schon von ihm, das wollten wir ihm im Gespräch zeigen. Das Interesse an seiner Person, an seinen Texten, seiner Sprache und seiner Botschaft sollte deutlich werden. In drei Gruppen bereiteten wir Fragen zu den Bereichen Biographie, politischer Hintergrund und schriftstellerische Arbeit bzw. Literatur vor. Wir überlegten, was wir wissen wollten und was ihm wichtig sein könnte. Mit Spannung erwarteten wir also den 14. 03. ’03, an dem Hussein Habasch endlich kommen sollte. Kleine Hinweise hatten wir während vorausgegangener Stunden bekommen, würden wir nun einen bedrückten, traurigen, unter seiner Exilsituation leidenden Menschen kennenlernen? Diese Frage beschäftigte uns. Vielleicht mussten

wir vorsichtig mit unseren Fragen sein. Doch als die Tür aufging, waren wir wohl alle sehr überrascht. Ein schmaler, fast zierlich wirkender Mann betrat den Raum. Hussein Habasch lächelte zurückhaltend, fast schüchtern. Er schaute uns erst wachsam, aufmerksam, freundlich an. Schnell schaffte er eine entspannt freundliche Atmosphäre, als er begann von seiner syrisch – kurdisch – russischen Vergangenheit zu erzählen. Dann trug er sein erstes Gedicht „Der Wille des Flußes“ auf Deutsch vor. Wir waren irritiert. Wir hörten eine befremdliche deutsche Sprachmelodie, eine verfremdete teilweise hart wirkende deutsche Sprache. Diese Irritation wandelte sich sofort in Faszination, als er das gleiche Gedicht in kurdischer Sprache vortrug. Jetzt wurde uns erst bewusst, dass schon die Sprachmelodie der kurdischen Muttersprache die Emotionen enthielt, die das Gedicht vermitteln will. Auch wenn wir nichts verstanden, verstanden wir alles und waren begeistert von dem Ausdruck, den das Gesicht allein durch den Vortrag, der fast wie ein Gesang klang, zeigte. Sein Gedicht „Die Sonne nicht tot schlagen“, was Herr Habasch uns auswendig auf russisch vortrug, hat uns alle sehr beeindruckt, weil es uns zeigte in wie vielen Sprachen Hussein Habasch seine Empfindungen ausdrücken kann. Das Gedicht „Viyan! Der Schmetterling kam auch“, was von seiner Tochter handelt, zitiert Hussein Habasch mit geschlossenen Augen. Es berührte uns sehr, weil es echte Gefühle waren, die uns durch den Vortrag, den Gesichtsausdruck und die Stimme des Autors vermittelt wurden.
Diesem Gedicht folgten dann unsere Fragen, wie z.B. „Woher nehmen sie die Inspiration zum Schreiben von Gedichten, eher aus aktuellen Ereignissen oder vergangenen?“ oder „Welche Zukunft sehen sie bezüglich eines eigenen kurdischen Staates?“

Hussein Habasch beantwortete alle Fragen sehr ausführlich und fast durchgängig auch mit Gedichten. Auf eine Frage ging er mit einem Gedicht seines Freundes aus Syrien, mit dem er einen engen Kontakt pflegt, ein. Dieses Gedicht trug Herr Habasch auf Arabisch vor, was für uns wieder eine neue Sprachmelodie aufwies, uns aber dennoch auch ohne das wir was verstanden sofort in seinen Bann zog. Er hatte dieses Gedicht verinnerlicht, man spürte richtig, wie ihn dieses Gedicht bewegt, und was es ihm bedeutet. Diese Authentizität seiner Gefühle, die man in jedem Wort seiner Gedichte spürt, hat mich dann auch besonders bei seiner Antwort auf die Frage „ Was bedeutet das Leben im Exil konkret für sie?“ fasziniert und berührt. Nach kurzem Überlegen schaute er uns lächelnd an und sagte: „Freiheit“. Ich war erst konsterniert, aber dann wurde mir die Bedeutung seiner Antwort erst richtig bewusst.

Das Wort Exil hat für uns eine eher bedrohliche Bedeutung, die die ungewollte Trennung von der Heimat, Heimweh impliziert. Wir verbinden es mit Enge, Angst und Heimatlosigkeit, was verdeutlicht, was für eine eingeschränkte Betrachtung wir von dem Wort haben. Durch Hussein Habaschs Antwort betrachtet man die Exil – Situation aber von einem ganz anderen Standpunkt und erfährt ihre vielleicht eher zutreffende Bedeutung für viele Menschen, von einem, der es wissen muss.
Für mich war diese Dichterlesung eine neue Erfahrung, die mich auf jeden Fall bereichert hat. Ich hörte Gedichte in Sprachen, mit denen ich mich bislang nicht auseinandergesetzt hatte. Überraschend ist für mich, dass unterschiedliche Sprachmelodien jedem Gedicht einen ganz anderen Ausdruck verleihen können. Hussein Habaschs Gedichte sind echt. Sie gehören zu seinem Leben. Diese Echtheit und die offene Art mit der er uns begegnet ist und mit der er uns von sich und seiner Familie erzählt hat, hat mich sehr begeistert und tief berührt.

 

Bonn, 28.März 2003

Persönlicher Eindruck über den Besuch des Dichters

Hussein Habasch am 14.03.2003

Katharina Greiffenberg

Der Besuch des Dichters Hussein Habasch war eine eindrucksvolle Erfahrung.

Der Dichter erzählte von den Zuständen in seinem Heimatland Syrien und seinen politischen Aktivitäten, die ihn zur Emigration zwangen, ebenso wie es ihm in den Exilländern Russland und Deutschland ergangen war und weshalb er nach Deutschland kam.

Neben dem politischen und biografischen Bereich versuchte Habasch zu erklären, auf welche Weise er seine Gedichte schreibt, wie sie entstehen; es wurden ebenfalls zahlreiche Gedichte gelesen.

Besonders beeindruckend fand ich, dass er die Gedichte im Kopf ausgefertigt und nur die sozusagen letzte Version zu Papier bringt, dies ist genau das Gegenteil wie ich es machen würde, deswegen erscheint mir diese Vorgehensweise als sehr schwer.

Weiterhin fand ich gut, dass er die Gedichte in verschiedenen Sprachen – Deutsch, Kurdisch, Arabisch, Russisch – vortrug; manche zitierte er frei aus dem Gedächtnis. Da ich es sehr mag, fremde Sprachen zu hören, waren diese Lesungen in Arabisch und Russisch für mich die Höhepunkte des Besuches.

Die besondere Weise von Habasch, Gedichte vorzutragen – in einem an – und abschwellendem Singsang – wirkte in deutscher Sprache etwas befremdlich, doch in Arabisch entstand der gegenteilige Eindruck.

Jener unvergessenen Morgen

Janina May

An jenem Freitag Morgen fuhr ich wie immer in die Schule. Jedoch trug ich an diesem Morgen eine besondere Erwartung in mir, denn heute war der Tag, an dem und Hussein Habasch in unseren Deutsch LK besuchen kommen würde.

Was würde dieser Besuch wohl mit sich bringen? Wir halten über ihn und seine Werke zwar im Unterricht gesprochen, jedoch warf sich in mir die Frage auf, wie mag der Dichter wohl aussehen, der solche bewegenden Zeilen schreibt. Ist er groß oder ist er klein, hat er dunkle oder helle Haare? Da ich selbst auch schreibe, stelle ich mir vor, wie er seine Gedichte wohl selbst vorträgt, denn für mein Empfinden wirkt ein Gedicht am Besten, wenn es die Stimme erzählt, die es erschaffen und empfunden hat. Mir diesen vielen Fragen und Gefühlen ging ich in meinen Kursraum und setzte mich gespannt auf meinen Platz. Dann öffnete sich langsam sie Tür und ein kleiner Mann mit liebvoll leuchtenden Augen betrat den Raum. Es schienen so viele Fragen im Raum zu kreisen, sein es unsere und auch die von dem Dichter selbst. Was mochte er wohl denken, vor so vielen Schülerinnen zu stehen, ohne zu wissen, wie ihre Einstellung ist. Aber er fand einen guten Einstieg. Während er seine Gedichte vorlas, war eine völlig e Stille in unserem Kursraum, niemand sagte etwas und die Gedichte schienen lebendig zu werden, ich konnte mir Bilder vor Augen rufen und es schien hörbar zu sein, was diese Bilder erzählen. Zwischen den Gedichten konnten wir Fragen stellen. Diese Gespräche beeindruckten mich auf eine ganz besondere Art, denn es trafen zwei Welten in ihnen zusammen. Die eine die ihr Herz in der Heimat, bei dem Leid gelassen hat und die andere, die im neuen Land die Freiheit geschenkt bekam. Besonders eindrucksvoll empfand ich die Gedichte, die er auf anderen Sprachen vortrug, denn obwohl ich nicht verstand, was er erzählte, verstand ich doch das Leid, das wie durch eine Melodie durch die getragen in mich eindrang. Die Gedichte waren zu verstehen und vielleicht sogar noch mehr, als in meiner eigenen Sprache. All diese Eindrücke werden diesen morgen wohl unvergessen machen. Es war eine Reise in eine in eine andere Welt.

 

25.03.2003

Königswinter

 Faszinierend und mitreißend

    

Julia Weber

Mit einiger Skepsis, doch auch mit Spannung erwartete ich am vergangenen Freitag Morgen den Dichter, der unseren Unterricht mit seinen leidenschaftlich geprägten Gedichten, die letzten Wochen gefüllt hatte.

Ein kleiner, schmächtiger Mann mittleren Alters betrat mit unserer Deutsch LK Lehrerin, Frau Graff unseren Raum 223.

Direkt wirkte er sympathisch, denn auch er war ein wenig nervös, was die Stimmung direkt auflockerte.

Nach dem er einige Minuten gesprochen hatte und wir festgestellt hatten, dass er über ein gutes Deutsch verfügte, begann Hussein Habasch mit dem Vortag einiger Gedichte, die er nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Kurdisch und Arabisch vortrug.

Zuerst war ich komisch berührt von seiner Art seine Gedichte vorzutragen, doch dann erkannte ich was dahinter steckte- Leidenschaft.

Sofort bemerkte ich sein kurdisches Temperament, seine andere Kultur, denn er trug seine Gedichte in einer Art von Gesang vor, was seine Gefühle auf eine zuerst erschreckende, doch dann bewundernswerte Art zum Ausdruck brachte.

Durch unsere bereits vorbereiteten Fragen lernten wir Hussein Habasch um einiges besser kennen und schätzen.

Hussein Habasch machte auf mich den Eindruck, dass er ein sehr gläubiger Mann ist, der es trotz seiner schweren Vergangenheit nicht verlernt hat seine Gefühle zu zeigen und zu behaupten.

Seinen Vortrag fand ich sehr faszinierend, mitreißend und interessant, doch leider verging die Zeit, wie so oft bei angenehmen Dingen, wie im Flug.

 

Sprach von der Wahrheit

 Selina Tieg

Als die Tür aufging und Frau Graff mit Herrn Habasch eintrat, war ich erst von seiner verhältnismäßig kleinen Körpergröße überrascht. Auf den zweiten Blick wurde mein Interesse geweckt durch die leise, verhaltene Art und Weise, sich und seine Texte vorzustellen, uns langsam in seine Welt einzuführen, sein für uns fremdes Land, sein Leben und seine Erfahrungen etwas näher zu bringen.

Die Zeit verging wie im Flug und man tauchte immer tiefer ein in seine Gedichte, die er uns auf deutsch, kurdisch, russisch und arabisch vortrug, wobei mich persönlich die Gedichte auf arabisch besonders berührten, da mich diese Sprache durch vergangene Urlaubsreisen schon länger fasziniert hat. Man merkte an der Weise, wie er seine Gedichte vortrug, dass er tief aus seinem Inneren zu sprechen schien, dass die Worte aus seiner Seele kamen. Diese Authentizität gab einem das Gefühl, dass er von echten Gefühlen, von der Wahrheit sprach, was mich beeindruckte.

Die Erinnerung an diesen Morgen gab mir den ganzen Tag durch ein gutes Gefühl, weshalb ich froh bin, dass wir die Gelegenheit hatten, diesen beeindruckenden Menschen kennen gelernt zu haben.

Ein überraschender Besuch

Kathrin Jasper

 Es war Freitag, der 14.03.2003 kurz nach acht Uhr, als Hussein Habasch unseren Kursraum betrat. Man spürte direkt eine Herzlichkeit, die den Raum erfüllte. Auch, wenn ich zugeben muss, dass ich seine Gedichte nicht mit Leichtigkeit im Unterricht interpretierten konnte, war ich von diesen zwei Stunden ergriffen. Bei dem Vorlesen seiner Gedichte übermittelte er immer seine Gefühle und man konnte merken, wie viel jedes einzelne Gedichte für ihn bedeutet. Durch das Vortragen seiner Werke bemerkte man ebenfalls die Echtheit, welche in jedem von ihnen enthalten war. So wurden mir auch die Werke näher gebracht, die ich zu Beginn nicht ganz so gut verstanden habe. Aber auch durch das Lesen in kurdischer und in russischer Sprache übermittelte er seine Gefühle, obwohl ich keine dieser Sprachen mächtig bin.

Unser Kurs hatte dann noch die Möglichkeit einige Fragen zu stellen, die er alle beantwortete. Es kam oft vor, dass er sich an ein passendes Werk erinnerte und trug dies dann ebenfalls vor, was ich persönlich als etwas sehr schönes empfand, da er hierdurch verdeutlichte, inwieweit sich sein ganzer Lebensbereich auf seine Arbeit auswirkt.

Ich war von seinem Besuch wirklich positiv überrascht und bewegt. Außerdem bin ich froh, dass er uns seine Werke auf diese Art und Weise näher gebracht hat, da man so einen viel besseren Bezug zu diesen herstellen und seine persönliche Stimmung miterleben kann. Die Ausdruckskraft seiner Werke wurde hierdurch noch verstärkt.

 

Bei diesem Besuch kam alles anders

 Sarah Schlüter

 Wenn man hört, dass ein bekannter Schriftsteller zu Besuch kommt, kann es schnell passieren, dass man ihn auf seine Werke reduziert. In diesem bestimmten Fall kommt noch hinzu, dass es sich um Gedichte handelte. Wie langweilig, mag man denken. Doch bei diesem Besuch kam alles ganz anders als erwartet.

Zu Beginn trug uns Hussein Habasch einige seiner Werke vor. Auf Grund der Inbrunst, mit der er seinen Gedichten Leben einhauchte, wurden sie auf einmal fassbarer und verständlicher. Man konnte die Stimmung spüren, die die Worte ausdrücken, ebenso wie das, was sonst ungesagt zwischen den Zeilen bleibt. Dies wurde besonders deutlich, als Herr Habasch seine Gedichte in verschiedenen Sprachen wiedergab. Viele hatten auf Deutsch einen härteren Klang, der im Kurdischen oder Russischen weicher erschienen.

Doch uns ging es nicht nur um seine Werke, sondern auch um die Persönlichkeit, die sich dahinter verbirgt. Unsere Fragen beantwortete er mit erstaunlicher Offenheit und auch Weitläufigkeit. Diese Vielschichtigkeit der Antworten war sehr eindrucksvoll und dies nicht zuletzt auch durch Rezitationen von Gedichten, die zu seinen Antworten passten und indirekt eine tiefere Einsicht in sein Denken und Fühlen gewährten. So blieben am Ende Schriftsteller und Mensch eine Einheit, die keine von uns schnell wieder vergessen wird.

Ich jedenfalls war von dem Besuch Hussein Habasch durchweg begeistert und berührt.

 

Auf das Wesentliche zu achten

 Derya Ates *

Mit dem Öffnen der Tür begann ein Vormittag, der uns für immer in Erinnerung bleiben sollte.

Es trat ein zurückhaltender Mann, mittleren Alters ein, auf den sich 32 neugierige Augen richteten.

Er begann uns seine Gedichte in einer Art Gesang vorzutragen. In diesen hat er seine tiefsten Gefühle, hinsichtlich seines Erlebten in der Vergangenheit aber auch in der Gegenwart festgehalten. Mit seinen zahlreichen Gedichten hat uns Hussein Habasch einen Einblick in sein Innerste ermöglicht, welches wir alle sehr zu schätzen wissen. Er hat uns seinen wundervollen Gedichten ein großes Stück an Wissen bereichert, und uns gelehrt, auf das Wesentliche im Leben zu achten und dieses zu würdigen.

* die einzige Ausländerin, Kurdin in der Klasse

 

Wertvoller Vormittag

 Cathrin Clemens

Mit ein wenig Skepsis, aber auch sehr großer Neugierde sah ich dem Besuch von Hussein Habasch entgegen. Skepsis aus dem Grund, weil ich seine Gedichte im Rahmen des Unterrichtes nur sehr schwer verstehen und interpretierten konnte. Als ich dann Herrn Habasch hineinkommen sah, war ich doch sehr überrascht: Ich hatte ihn viel größer und kräftiger vorgestellt, und auch sein ansteckender freundlicher Gesichtausdruck überraschte mich positiv, denn ich hatte einen verbitterten und leidenden Gesichtausdruck erwartet.

Als er dann von seinem Leben zu erzählen begann, sah man wie der gesamte Kurs seinem Erzählen mit Spannung folgte. Nur als er zum ersten Mal eines seiner Gedichte vorlas, war ich ein wenig irritiert. Die fremden Sprachen (Kurdisch, Arabisch und Russisch), die ungewohnte Satzmelodie, ja fast schon Gesang, und diese wechselnde Lautstärke konnten über das Blatt Papier ja zuvor nicht vermittelt werden. Aber durch diesen emotionalen und kulturellen Einfluss wirkten diese Gedichte nun echt und lebendig, und sie waren für mich nun ein Stück mehr greifbar. Mit den unzähligen Fragen, die wir ihm dann stellten, baute sich ein fast schon vertrautes Verhältnis zwischen den beiden Seiten auf. Im Großen und Ganzen empfand ich seinen Besuch als sehr gelungen und eindrucksvoll.

Ich sehe diesen Vormittag als wertvolle Bereicherung und kostbare Erfahrung.

Offenheit

 Yvonne Gotter

 

Bereits im Unterricht haben wir einige Gedichte von Hussein Habasch besprochen. Zwei davon waren sogar mögliches Thema unserer Abi-Vorklausur. Aus diesem Grund waren mir Habaschs Gedichte und seine Art zu schreiben bekannt. Dennoch ist es etwas vollständig anderes, wenn man den Dichter persönlich kennen lernen darf und er seine Gedichte selber vorträgt.

Zwar merkte man, dass die Muttersprache des Dichters nicht Deutsch ist, da die Satzmelodie härter klang, als man es normalerweise gewohnt ist. Doch besonders als er die Gedichte auf kurdisch rezitierte spürte man richtig welche Emotionen in diesen Gedichten stecken.

Für mich persönlich war es sehr interessant zu hören, wie die Gedichte in den verschiedenen Sprachen (kurdisch, russisch, arabisch) klangen, auch wenn ich kein Wort verstanden habe.

Beeindruckend fand ich, mit welcher Offenheit uns Habasch begegnete und wie bereitwillig er auch persönliche Fragen beantwortet hat.

 

Eine bewundernswerte Eigenschaft

 Patrizia Kaminski

Hussein Habasch – ein Mann, der schon sehr viel in seinem Leben erreicht hat, jedoch auch schon sehr viel durchmachen musste.

Es muss sehr schwer für einen Menschen sein, kein Heimatland zu besitzen. Doch vermittelte er nie das Gefühl von Schwäche oder Angst, im Gegenteil, man bekam das Gefühl, dass er mit jedem Satz, den er sprach, sich den Fremden einen Schritt näher wagte und mutiger wurde, eine bewundernswerte Eigenschaft.

Hussein Habasch ist ein sehr phantasievoller Mann.

Er verbindet so viele Dinge miteinander und lässt sie in seinen Gedichten miteinander harmonieren.

Es macht Spaß seinen Gedichten zu zuhören und seine eigene Phantasie freien Lauf zu lassen. Er hat schon so viele Gedichte in seinem Leben geschrieben, aber vergessen hat er nicht ein Einziges!

Egal welche Frage man ihm stellte, meistens wusste er ein passendes Gedicht dazu. Was mich allerdings am Meisten fasziniert hat, waren die Gedichte auf Kurdisch oder Arabisch.

Es war wie Musik, die durch den Raum hallte und darauf wartete gehört zu werden. Ich verstand diese Sprache nicht, jedoch glaube ich manche Passagen doch im Inneren verstanden zu haben, da sie von Herzen kamen und nicht nur einfach gesprochen wurden.

Ich fand seinen Besuch sehr gut, und wünsche ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute.

Hussein Habasch – ein sehr interessanter Mensch und ein hervorragender Dichter.

 

Ein unterhaltsamer Freitag Morgen

 Jessica Klamke

 Den Besuch von Herrn Habasch erwartete ich mit gespannter Neugier. Immerhin hatten wir seine Gedichte sowohl im Unterricht, als auch in einer Klausur analysieren können. Wie würde also der Verfasser dieser (zumindest so interpretiert) sehr emotionsreichen und vielleicht auch sehr persönlichen Gedichte sein?

Ich hatte zunächst die Vorstellung von einem sehr seriös wirkenden, ernsten Mann, wurde aber positiv enttäuscht.

Der erste Eindruck war, dass ich fürchtete Herr Habasch würde im nächsten Moment wieder aus der Klasse verschwinden. Ich kann mir allerdings auch gut vorstellen, was einer Klasse voller Kritiker bzw. geschulter Analytikerinnen für einen unbehaglichen Eindruck machen können.

Gott sei Dank setzte er sich also erst einmal hin und wir durften uns, ganz ohne Analyse an einer etlichen Anzahl seiner Gedichte auf mindestens zwei Sprachen erfreuen. Wann bekommt man schon mal Gedichte auf Arabisch und Russisch vorgetragen, auch wenn man kein Wort davon versteht?

Als nächstes kam unser Bombardement von erlesenen Fragen, die höchst gelassen beantwortet und wieder mit Gedichten ummantelt wurden. Ich glaube, wir hatten alle nicht wirklich die Vorstellung davon, wieviel Zeit sich Herr Habasch für uns nehmen würde, bzw. wie wichtig er vielleicht jede Frage nahm und wir präzise er sie beantwortete.

Im Großen und Ganzen würde ich sagen, war es ein sehr lehrreicher und unterhaltsamer Freitag Morgen. Es ist doch mal sehr angenehm auch den Dichter „live“ zu erleben und nicht nur die trockene Biographie zu lesen. Der Mensch selber vermittelt ja schließlich auch noch einen bestimmten Eindruck, der im Endeffekt wohl eher haften bleibt als ein Text. Ich jedenfalls kann sagen, dass ich mit Vergnügen einmal sagen werde Herrn Habasch kennen gelernt zu haben und mich an diesen Morgen bestimmt desöfteren erinnern werde.

 

Ein emotionaler Mensch

 Carolin Breitbach

Obwohl Hussein Habasch anfangs reserviert wirkte, hinterließ er einen sympathischen Eindruck. Sobald er begann seine Gedichte vorzutragen, konnte ich feststellen, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist. Man konnte fühlen, wie sehr ihn diese Gedichte berührten. Zugegebenermaßen war ich etwas irritiert als er diese auf Kurdisch vortrug, denn die Sprachmelodie wirkte dadurch im Gegensatz zu dem Inhalt sehr hart. Aber gerade dies machte ihn und seine Gedichte so faszinierend

 

 Die Hoffnung

 Stephanie Köbe

Am 14. März besuchte uns Hussein Habasch und stellte uns einige seiner Werke vor.

Ich hatte nun erstmals die Möglichkeit mit einem Dichter zu sprechen, ihm Fragen zu stellen und vor allem eins, inspiriert zu werden.

Durch seine Art zu sprechen, hat er auf mich eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt.

Sehr beeindruckend war für mich als er ein Gedicht erst auf Deutsch und dann auf Kurdisch, Arabisch oder Russisch vorgelesen hatte. Wie eine Melodie, ein Gebet. Ich konnte zwar kein Wort verstehen aber das war hier auch nicht wichtig, denn ich konnte die Stimmung spüren die das Gedicht vermitteln wollte. Auf Deutsch wirkten sie dagegen oft sehr kalt.

Einmal wären mir fast die Tränen gekommen, denn bei einem Gedicht beschreibt er die Jugend so wie ich sie selbst auch empfinde. Dieses Gedicht gab mir das Gefühl, ich bin nicht alleine, nicht alleine mit diesen Problemen. Und das gab mir die Hoffnung das auch ich, meinen richtigen Weg finden werde.

Dafür möchte ich mich bedanken.

 Analyse „ Weinen der Küsse“ – „Halt still“  

Von Yvonne Gotter

Das Gedicht „ Das Weinen der Küsse“ von Hussein Habasch thematisiert die Erfahrungen, die der kurdische Autor, der nun in Bonn im Exil lebt in seiner Heimat gemacht hat. Zudem kritisiert es die heutige Welt, in der er keine Heimat mehr hat. Weitere Themen sind Hass, Tod und Zerstörung.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen, die sich nicht reimen.

Der erste Vers des Gedichtes besteht nur aus dem Wort „Sinem“. Das ist kurdisch und bedeutet ins Deutsche übersetzt „weinen“. Dadurch, dass dieses Wort nicht übersetzt wurde, erfährt der Leser von der Herkunft des Dichters. Dieser hat mit diesem Wort dem Gedicht eine zweite Überschrift gegeben. Dies zeigt, dass weinen und Trauer wichtige Themen des Gedichtes sind. Durch das Ausrufungszeichen wird dies noch verstärkt. Vers zwei verdeutlicht, durch die Personifikation der Küsse, die weinen, den Verlust von Liebe und die Trauer darüber. Die Tatsache, dass die Liebe schon vor längerer Zeit verloren gegangen ist sein muss und dass es schwierig sein wird, sie wieder zu finden.

Erst in der zweiten Strophe wird deutlich, dass es sich nicht um ein Liebesgedicht handelt. Der Autor trauert nicht um eine gescheiterte Liebe zu einer Frau, sondern um sein Vaterland, welches er verlassen musste. Die ausgetrockneten Lippen verbindet man mit Durst. Sie könnten aber auch ein Zeichen für Dürre und Trostlosigkeit sein (Vers 5).

Durch die in Vers 6 gebrauchte Tautologie „ der Mund, der Münder“ verdeutlicht der Autor die Wichtigkeit dieses Mundes. Da gesagt wird, dass diese Münder „den Tod gebären“ könnten sie seine Heimat darstellen, in der Hass und Gewalt herrschen, aber auch die Länder kritisieren, in denen er Zuflucht sucht. Die Münder „können die Hefe der Liebe nicht hegen“ (Vers 8). Hefe braucht man zum Backen, durch sie wird der Teig lockerer und wächst nach einer Zeit beträchtlich. Da nun die Münder die „Hefe der Liebe nicht hegen“ können, kann die Liebe nicht wachsen und der Hass zwischen Kurden und Syrer kann weiter wachsen. Auf diesem Hintergrund kann man auch die weinenden Küsse, die sich in verstaubten Veranden verstecken anders interpretiert. Auf Veranden isst man im Sommer oder feiert mit Freunden oder Nachbarn.

Die Veranden sind aber verstaubt, folglich war dort lange Zeit niemand mehr. Dies könnte nur darauf hindeuten, dass der Autor nun im Exil lebt und nicht mehr in seine Heimat zurückkehren kann. Durch Alliteration „verstaubte Veranden“ (Vers 3) wird der Eindruck von Verlassenheit verstärkt.

Auch Strophe drei thematisiert Hass und Tod. Die in Vers 9 und 10 Neologismus „eisernen Münderlippen“ steht für diesen Hass. Lippen sind normalerweise weich, aber Lippen aus Eisen sind hart und kalt. Sie können keine Liebe erwidern. Durch den Neologismus „Schattentage“ wird Bedrohung und Tod beschrieben. In Verbindung mit dem Adjektiv giftig könnte man auch hier Hasse sehen (Vers 12).

Das Gedicht „Halt still“, ebenfalls von Hussein Habasch, thematisiert die Erfahrungen, die der Autor in Deutschland macht und ist eine Aufforderung an ebenfalls im Exil lebende Kurden sich nicht provozieren zu lassen. Das Gedicht besteht nur aus einer Strophe mit zwölf Versen, die sich ebenfalls nicht reimen. Dieses Gedicht ist einfacher zu verstehen als „Das Weinen der Küsse“ da es keine Personifikation oder Metaphern enthält. Habasch beschreibt hier Situationen, die jedem bekannt sind, denn vom Ausländerhass oder Fremdenfeindlichkeit hört man täglich. Die „mit hasserfüllte(n) Blick(e)“ (Vers 6) haben durch das Verb „gebranntmarkt“ (Vers 7) eine noch stärkere Wirkung. Verbrennungen schmerzen, genauso wie diese Blicke schmerzen müssen. Zudem bekommen Tiere Brandzeichen, damit ihr Besitzer sie erkennt. Durch dieses „gebranntmarkt“ werden, werden die Kurden deklassiert. Jeder sieht, dass sie fremd sind. Doch anstatt über diese Blicke in Wut zu geraten, rät der Dichter ruhig zu bleiben(Vers 8). Dieser Aufforderung wird durch ein Ausrufungszeichen unterstrichen. Weiterhin fordert er dazu auf, sich nicht provozieren zu lassen, sondern seine Umwelt „mit himmlischer Zärtlichkeit“ (Vers 9) und mit „engelsgleichen Blicken“ (Vers 10) schön zu machen, also seinen Mitmenschen Gelassenheit und Nächstenliebe entgegen zu bringen und ihren „Hasserfüllten Blick „ engelsreichen Blicke entgegen zu setzen. Dieses Gedicht hat Habasch Jahre später geschrieben als „Das Weinen der Küsse“. Sprechen aus diesem Gedicht noch tiefe Trauer, Tod und Hass (Strophe 3), so hat der Autor in „Halt Still“ eine Möglichkeit gefunden mit dem ihm entgegengebrachter Hass, umzugehen. Er hat erkannt, dass er selbst das Beste aus seiner Situation machen muss und gibt diese Erfahrung nun an Menschen in seiner Situation weiter (Vers 8-12).

 

Der Regenbogen in einen grauen Novemberabend

(Nach einer Lesung des Dichters Hussein Habasch im Rahmen der Bonner Woche der Kulturen in Bonn)

 

Marjeta – Nina Polak

 

„…Es gibt Momente, wo ich finde, dass die Sprache noch gar nichts ist…“, schrieb Ludwig van Beethoven in einem Brief an seine unsterbliche Geliebte. Wäre Beethoven an diesem Leseabend dabei gewesen, wie wurde er sich gefreut haben! Ja, wie wurde er sich freuen, dass die Sprache durch den Dichtkünstler Hussein Habasch so viel geworden ist und uns hier in Bonn sowie in der ganzen Welt in unermesslicher Fülle geschenkt wird.

 

In seinen Gedichten eröffnet der Poet eine Welt voller Bilder, Gefühle, Farben, bekannten und unbekannten Landschaften und Menschen. Dabei schafft er eine unvergleichbare Atmosphäre die an einen Abend mit Freunden am Kaminfeuer erinnert. Er sagt: „Wenn man ein Gedicht wieder hört, ist es einem, als man einen alten Freund wiedersehen wurde“. Hussein Habasch Dichtungen sind sprühende Lichter, die nach Versöhnung und Güte rufen. Sie richten auf, wo Trostlosigkeit herrscht und bringen einen Regenbogen voll Farben in einen grauen Novemberabend.

 

Er lässt die Gedichte zu sich, wie die Kinder kommen. So wie sie kommen mögen sind sie ihm willkommen. Und das passiert meistens auf Kurdisch, aber auch in allen Sprachen seiner Lebensorte: arabisch, russisch, deutsch…

 

Wenn ein Mensch wie Hussein Habasch mit seinen Erlebnissen, Sprachkenntnissen und Wanderungen durch verschiedene Kulturen dieser Erde so reich geworden ist, seiner Muttersprache wie der eigenen Mutter sein Leben lang treu geblieben ist und daraus eine Poesie von solcher Reinheit schafft, kann man als Zeitgenosse dafür nur sehr dankbar sein daran teilhaben zu dürfen.

 

Wie eine Kerze brennt der Schaffende für die großen Ideale der Menschheit wie Brüderlichkeit. Da kommt uns Ludwig van Beethoven wieder entgegen mit dem Schluss seiner neunten Symphonie, wo der Chor (am liebsten möchte man es „Engelchor“nennen) – alle Grenzen zwischen uns Menschen sprengend – ruft: „…dieser Kuss der ganzen Welt…“. Ja, dieser „Kuss der ganzen Welt“ ist auch für Hussein Habasch kein Fremdwort. So wie Beethoven mit seiner Musik alle Menschen eint, vermag die Habasch – Lyrik zusammen zu bringen, was getrennt war: die Liebenden genauso wie unterschiedliche Nationen und macht uns damit klar, dass wir „alle eine große Familie sind“.

 

Und wenn auch der Schmetterling den lieben Menschen heute nicht erreicht hat, eines Tages wird er ihn erreichen. Durch seine bildreiche Sprache wird die Grenze zwischen gestern und heute verwischt und die Toten treten mit dem Duft der Rose sichtbar vor uns. Das Ringen eines jeden Menschen wird zusammengefasst in „…sprich es aus…“, die Heimatlosigkeit in die stumme Frage geballt: „Wo ist mein Haus?“, das Menschsein zusammengepresst in „die Größe der Einfachheit“

Die Gedichte Hussein Habasch sind gleichwohl Wortsymphonien wie Klangbilder und Lautentänze. Möge jeder Mensch in ihnen „seine“ Freunde finden.

Diesen kleinen Beitrag zur Lesung Hussein Habasch möchte ich mit seinem Gedicht SARDOR schließen:

 

SARDOR

 

 

Still bist du

wie die Erhabenheit

wie die Tiefe der Liebe

so tief.

 

Aus geschlossenen Orten,

heimlich,

blitzartig

breitest du dich aus

auf die Seele.

Literarisches Kaleidoskop

Lesung „“ am 19. Oktober 2011, 20 Uhr im PAUKE Life Kulturbistro *

ein Bericht von Heike van den Bergh

Zu ihrer gemeinschaftlichen Literarischen Lesung im PAUKE  Life Kulturbistro hatten die Autoren Hidir Celik, Rainer Maria Gassen, Karl-Otto Lang, Josef Michael Heveling-Fischell und Hussein Habasch geladen.

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Ganz anders der Wortkünstler und Dichter Hussein Habasch, der laut WDR „ Den Opfern eine Stimme ohne Hass, ohne Wut, einfach indem er sie beschreibt (gibt). Kaum jemand findet eine solche Sprache für das Leid, intensiv und doch frei von Pathos.“ Er erzählt mit allen Farben und Facetten des Lebens, webt einen bunten Teppich der Dichtkunst, in dem neben den zarten Pastelltönen der Träume und der Liebe auch das Rot und Schwarz des Blutes und des Terrors gegen sein kurdisches Volk und seine Vertreibung in die ganz reale Flucht aus seiner Heimat, aus seiner Tradition, aus seiner Sprache zu Wort kommen. Hussein Habasch wurde am 1948 in Jakmak-Saghir, einem Dorf in Kurdistan (Syrien), geboren. Seit 1970 verfasst er Gedichte in kurdischer und arabischer Sprache.

Er fesselte sofort die Aufmerksamkeit der ermüdeten Zuhörer und belebte ihren dankbaren Geist mit seinem ersten Gedicht „Kamos Portrait“, das hier nur lückenhaft wiedergegeben aus den Notizen, außerordentliche, kraftvolle Metaphern und intensiv wirkende Assoziationen verwendete:„Ein Pflug bringt hervor/ das Alphabet seiner Tagebücher/ er sät die Samen des Lebens/  mit Olivenblütengebete der Verse betet er/ die linden Lieder nieseln/bei der Rast auf Serpentinen/… im dunklen Garten/ entdeckt er seinen Kindern die Tränenspur/ …“ Sein Appell an die Zivilcourage zum Schutz für die Menschen brachte er kunstvoll in dem Gedicht „Sprich es aus“ aus dem Band „Dort funkeln die Lippen der Steine“ zum Ausdruck: „Sprich es aus/ trübe die Wahrheit nicht/ Im Schweigen verdorren die Wurzeln des Lebens./ Wenn dein Kopf auch rollt/ sprich es aus/ Jeder Aufrichtige ist ein Retter/ jedes Schweigen ein Sieg des Todes . Aber wie viel klangvoller, poetischer, harmonischer klingt es bei ihm, dennoch nicht die hässliche Fratze des Unrechts und der Gewalt leugnend und die der Feigheit. Mein Favorit, das Gedicht „Die Mauer weint“ aus dem Band „Dort funkeln die Lippen der Steine“, mutet zunächst wie ein romantisches Liebesgedicht an, als er spricht: „Ich steckte einen Brief in die Tasche des Schmetterlings und schickte ihn dir./…“ Doch schon im nächsten Vers wird der ernste Hintergrund aus der Lebenswirklichkeit offenbar: „ Ich bangte, ob er ankommen würde/ denn in dieser kranken, skandalösen Zeit/ werden selbst Schmetterlinge/ nach einem Reisepass gefragt/ wenn sie die verbotene Grenze überschritten haben/ ohne Genehmigung. Sie werden durchsucht und geschlagen, wenn die Zöllner/ meine Adresse auf dem Umschlag finden./“ Um poetisch-traurig zu enden: „Die Nachtigall war / Zeuge meiner Worte/ Als sie vor meiner Tür traurig sang/ rechtfertigte sie/ das Weinen der Mauer.“ Bei diesem Vers traten mir vor tiefer Anrührung Tränen in die Augen, er war ergreifend wahr. Doch auch schon das Heilmittel für diese Traurigkeit und gegen diese Gewalt hielt er lyrisch parat in dem Gedicht „Hassstürme kastrieren“ aus dem Band „Die Mandelbäume verbrennen ihre Früchte“ (auch hier wieder die kurdischen Mandelbäume) : „Bäume, die mit deiner Schönheit/ zum Himmel gewachsen sind/ bauten Netze/ gegen die Blitze des Hasses/kastrierten sie/machten sie harmlos,/ damit du das Herz des Herzens/ mit Liebe zum Strahlen bringst.“ Noch viele, wundervolle Blüten der Liebe, der Schönheit, des Schmerzes und der Trauer sowie der Erinnerung kredenzte uns Herr Habasch an diesem Abend, klangvoll intoniert und gefühlvoll vorgetragen. Statt eines Schlusswortes möchte ich hier einfach nur sein Gedicht „Ein Moment des Innehaltens“ für sich sprechen lassen, das auf wundersame Weise wieder den Bogen spannt zum Beginn der Lesung, als Herr Celik das Fremdsein in der Heimat beklagte (aus dem Buch: „Die Mandelbäume verbrennen ihre Früchte“):

Meine Tränen –/Warm liefen sie herab/Wie die erste Wärme/ der Geburt des Morgens./ Ich konnte mich nicht beherrschen./ Die Besinnung war zu mir gekommen./ Ich wollte fort aus meinem Bonner Haus/. Wohin?/ Wo ist mein Haus?/ Auf der Erde?/ In den Himmeln?/ In der Hölle?/ Bei einem Gebetshaus Zarathustras!/ Bei einem Gebetshaus der Geliebten!/ Vielhäusler!/ Ohnehäusler!/ Im Moment des Innehaltens/manchmal/ wäre ich fremd überall!/ Im Moment des Innehaltens/ manchmal wäre ich Ureinwohner/ überall.“

Befragt, welche Poeten ihn beeinflusst hätten, meinte er sehr philosophisch: Bestimmte Dichter nicht, es gibt Dichter, da muss man hundert Mal lesen – aber manchmal sind einfache Menschen poetischer – alle Menschen sind Dichter!

Danke, Herr Habasch, danke alle anderen Autoren, dass Sie uns einfachen Menschen Ihre Stimme geliehen haben und vielleicht die eine Zuhörerin oder den anderen Leser angeregt haben, selbst zum Dichter-Menschen zu werden?

* Siehe:www.migrapolis-deutschlan.de

Nachlese zur Hussein Habasch Lesung

Bericht von Reiner Maria Gassen

 „Bonner Ausblicke“, die neue Lesereihe am 17. März 2010 in der Bonner Thomas-Mann-Straße 1 aus der Taufe gehoben.

 Der aus Kurdistan stammende Dichter, Journalist, Pädagoge, Filmemacher und Übersetzer Hussein Habasch war am 17. März 2010 zu Gast in der Thomas-Mann-Straße 1.

 Eine bessere Wahl hätte kaum getroffen werden, die neue Lesereihe ihrem Publikum vorzustellen. Hussein Habasch las aus drei seiner Gedichtbände und gab Kostproben von seiner außerordentlich packenden Bildwelt, der er mit ebenso kompakter wie präziser Sprache Ausdruck verleiht. Trauer und Jubel sind gleichermaßen Habaschs Lyrik kennzeichnende Farben, die manchmal eher verhalten und dann wiederum in ausdrucksstarken Tönen erblühen.

Das zahlreich erschienene Publikum diskutierte lebhaft und angagiert mit Habasch und schonte ihn keineswegs mit zum Teil recht knifflige Fragen zu seiner Lyrik wie auch zu seinem Leben als Migrant aus seinem Land, dem seine staatliche Integrität nach wie vor versagt bleibt. Habasch stellte unter Beweis, wie sie Poesie den seiner Heimat zwangsweise entfremdeten Menschen zum Weltbürger werden lässt. Glaubwürdig vermeidet er jeden Anflug von Bitterkeit oder gar Wut. Seine Gedichte sprechen zu den Menschen gleich welche Schicksale sie gezeichnet haben mögen. Der Zuhörer verließ seine Lesung ebenso nachdenklich wie hoffnungsfroh.

 (Reiner Maria Gassen)